153 Folgen. 20 Jahre. Ein Format, das das DDR-Fernsehen von 1971 bis zum Ende des Deutschen Fernsehfunks 1991 begleitete. Diese Seite ist ein Arbeitswerkzeug — kein Prosaessay, sondern ein strukturiertes Folgenverzeichnis der DDR-Ära des Polizeiruf 110. Wer nach einer bestimmten Episode sucht, nach einem Ermittler oder nach einer Dekade, findet hier den Überblick.
Scope dieser Seite: die DFF-Produktionen, Folge 1 bis Folge 153. Die ab 1992 entstandenen ARD-Produktionen, in denen bayerische, sächsische und Münchner Teams übernahmen, sind ein eigenes Kapitel — skizziert am Ende, mit Verweis auf den vollständigen Guide. Die Episodennummerierung folgt dem Standardwerk von Peter Hoff, Polizeiruf 110 — Filme, Fälle, Fakten. Abweichungen in anderen Quellen sind möglich, weil einige Folgen als eigenständige Fernsehfilme ohne Folgennummer ausgestrahlt wurden, obwohl sie inhaltlich zur Reihe gehörten.
Zwei Folgen fehlen in jedem vollständigen Verzeichnis: Im Alter von … (1974) und Rosis Mann (1984) — beide gedreht, beide vernichtet, beide nie gesendet. Dazu gleich mehr.
Die Ermittler der DDR-Ära — ein Überblick
Bevor es chronologisch geht, ein kurzer Überblick über die zentralen Ermittlerfiguren. Das Format arbeitete nie mit einem festen Einzelermittler — die Teamzusammenstellung wechselte von Folge zu Folge. Trotzdem gab es Anker.
Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) trat von Folge 1 (1971) bis Folge 153 (1991) auf — in insgesamt 89 von 153 Episoden. Er wurde über die Jahre zum Gesicht des Formats. 1978 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann, nach der Wende zum Kriminalhauptkommissar.
Oberleutnant Jürgen Hübner (Jürgen Frohriep) startete in Folge 7 (1972) und blieb bis in die 1990er. Hübner war das Gegenprinzip zu Fuchs: weniger autoritär, mehr beobachtend. Bonnys Blues (1978) gilt als sein bisher bestes Auftreten in der Reihe.
Leutnant Lutz Zimmermann (Peter Borgelt — nein, eine andere Figur) stieß in Folge 84 (1983) dazu. Leutnant Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) kam 1986 in Folge 103. Grawe und Fuchs wurden zum prägenden Duo der späten DDR-Phase.
Die 1970er — Die ersten Folgen (1971–1979)
Die erste Folge lief am 27. Juni 1971 im 1. Programm des Deutschen Fernsehfunks. Titel: Der Fall Lisa Murnau. Hauptermittler: Oberleutnant Peter Fuchs und Kriminaltechnikerin Vera Arndt. Das Duo dominierte die frühen Jahre.
Das Jahrzehnt umfasst 62 Folgen. Produktionstechnisch war die erste Phase geprägt von Schwarzweiß-Aufnahmen — der Wechsel zu Farbe vollzog sich schrittweise. Die letzte Schwarzweiß-Folge sendete der DFF 1976: Der Fensterstecher (Folge 39). Erzählerisch standen die 1970er unter dem Konzept der kollektiven Ermittlung: kein Einzel-Detektiv-Prinzip wie im westdeutschen Tatort, sondern wechselnde Teams aus dem Volkpolizei-Umfeld.
Ab Folge 7 (Blutgruppe AB, 1972) erscheint Oberleutnant Jürgen Hübner als zweiter tragender Ermittler. Leutnant Lutz Subras ergänzte das Ensemble ab 1972. Die geografische Verortung der Fälle blieb bewusst unspezifisch — eine DDR ohne Ortsnamen, die überall stattfinden konnte. Nur selten schimmerte eine konkrete Stadt durch.
Folge 2 (Die Schrottwaage) ist heute nur noch fragmentarisch erhalten — ca. 10 Minuten Filmmaterial mit Tonspur. Folge 3 (Die Maske) gilt in der deutschen Version als verschollen; erhalten ist lediglich eine russische Synchronfassung. Das sind keine Randnotizen für Archivfanatiker, sondern ein Hinweis auf die fragile Überlieferungslage früher DFF-Produktionen.
| Folge | Titel | Erstsendung | Ermittler |
|---|---|---|---|
| 1 | Der Fall Lisa Murnau | 27.06.1971 | Fuchs, Arndt |
| 2 | Die Schrottwaage | 03.10.1971 | Fuchs, Arndt |
| 3 | Die Maske | 30.01.1972 | Fuchs, Arndt |
| 4 | Verbrannte Spur | 27.02.1972 | Fuchs, Arndt |
| 5 | Das Haus an der Bahn | 26.03.1972 | Fuchs, Arndt |
| 6 | Der Tote im Fließ | 04.06.1972 | Fuchs, Arndt |
| 7 | Blutgruppe AB | 16.07.1972 | Hübner |
| 8 | Ein bißchen Alibi | 20.08.1972 | Fuchs, Arndt, Subras |
| 9 | Minuten zu spät | 17.09.1972 | Fuchs, Arndt |
| 10 | Blütenstaub | 22.10.1972 | Fuchs, Hübner, Subras |
| 31 | Heiße Münzen | 18.05.1975 | Fuchs, Subras |
| 37 | Reklamierte Rosen | 22.02.1976 | Fuchs, Subras |
| 39 | Der Fensterstecher | 31.05.1976 | Arndt, Hübner, Subras |
| 50 | Ein unbequemer Zeuge | 04.12.1977 | Fuchs, Arndt |
| 52 | Bonnys Blues | 26.03.1978 | Hübner, Woltersdorf |
| 55 | Schuldig | 01.10.1978 | Fuchs, Arndt, Woltersdorf |
| 61 | Barry schwieg | 14.10.1979 | Fuchs, Arndt, Hübner |
| 62 | Die letzte Fahrt | 02.12.1979 | Hübner, Woltersdorf |
Ein Wendepunkt im Jahrzehnt: Folge 52, Bonnys Blues (1978). Regisseur Peter Vogel setzte stärker auf Charaktermotive als auf Ermittlungsroutine — die Filmkritik beschrieb es als den ersten Polizeiruf, der „Momente des Life-Style-Films“ aufnahm. Hübner dominiert die Episode, Fuchs tritt zurück. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich offene Milieustudie für das DDR-Fernsehen der späten 1970er.
Die 1980er — Hochphase des DDR-Formats (1980–1989)
Die 1980er brachten 71 neue Folgen und strukturelle Veränderungen im Ermittlerteam. Leutnant Lutz Zimmermann stieß 1983 zur Stammbesetzung (Folge 84), Thomas Grawe folgte 1986 (Folge 103). Wolfgang Reichenbach (ab Folge 78, 1982) und Manfred Bergmann (ab Folge 69, 1981) ergänzten das Ensemble. Die Produktion wurde produktiver — in manchen Jahren erschienen sechs bis acht Folgen.
Thematisch weitete sich das Spektrum aus: Wirtschaftskriminalität, Korruption, gesellschaftliche Randlagen. Die Folge Schwere Jahre (Folgen 90/91, 1984) markiert den ersten Zweiteiler der Reihe. Beide Teile liefen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen — 29. und 1. Juli 1984. Ungewöhnlich für das Format.
Die Ereignisse des Herbst 1989 schlugen sich nicht unmittelbar in den Folgen nieder. Katharina (Folge 133, Erstsendung 27. Oktober 1989 — drei Wochen vor dem Mauerfall) wirkt wie eine normale Kriminalgeschichte. Was sich änderte, kam in den Folgejahren: Die Nachwendefolgen ab 1990 zeigen eine DDR im Auflösungsprozess — und bringen Folgen wie Allianz für Knete (Folge 144, 1990), die offensichtlich auf die neue Wirtschaftsrealität reagieren.
| Folge | Titel | Erstsendung | Ermittler |
|---|---|---|---|
| 63 | Vergeltung? | 09.03.1980 | Fuchs, Arndt, Hübner, Woltersdorf |
| 69 | Der Teufel hat den Schnaps gemacht | 18.01.1981 | Fuchs, Bergmann |
| 75 | Trüffeljagd | 25.10.1981 | Fuchs, Arndt, Hübner, Bergmann |
| 83 | Die Spur des 13. Apostels | 06.03.1983 | Fuchs, Arndt |
| 84 | Es ist nicht immer Sonnenschein | 17.04.1983 | Fuchs, Arndt, Hübner, Zimmermann |
| 90 | Schwere Jahre (1) | 29.06.1984 | Reichenbach |
| 91 | Schwere Jahre (2) | 01.07.1984 | Hübner, Reichenbach |
| 100 | Verlockung | 29.09.1985 | Fuchs |
| 103 | Ein großes Talent | 04.04.1986 | Fuchs, Zimmermann, Grawe |
| 112 | Explosion | 28.06.1987 | Fuchs, Hübner, Grawe |
| 116 | Abschiedslied für Linda | 20.12.1987 | Fuchs, Hübner, Zimmermann, Grawe |
| 120 | Amoklauf | 26.06.1988 | Fuchs |
| 125 | Mitternachtsfall | 08.01.1989 | Fuchs, Grawe |
| 133 | Katharina | 27.10.1989 | Hübner, Grawe |
Folge 103 (Ein großes Talent) ist der erste gemeinsame Auftritt von Fuchs, Zimmermann und Grawe. Thomas Grawe, gespielt von Andreas Schmidt-Schaller, blieb bis zur letzten DFF-Folge 1991 aktiv.
Sonderfall: Verbotene und zurückgehaltene Folgen
Zwei Folgen wurden vom DFF produziert, fertiggestellt — und dann nie gesendet. Beide gelten als vernichtet. Eine davon konnte Jahrzehnte später rekonstruiert werden.
Polizeiruf 110: Im Alter von … (1974) — gedreht 1974, behandelte den realen Fall eines Kindermörders: Erwin Hagedorn aus Eberswalde hatte drei Kinder getötet. Das Innenministerium der DDR verbot die Ausstrahlung. Begründung: Ein solches Verbrechen sollte im real existierenden Sozialismus offiziell nicht existieren. Das Material wurde zur Vernichtung freigegeben. 35 Jahre später fanden Archivmitarbeiter 2009 im Rundfunkarchiv Babelsberg Filmreste unter einer Kellertreppe — ohne Tonspur. Das ZDF rekonstruierte die Episode anhand des erhaltenen Drehbuchs und strahlte sie 2011 erstmals aus, 37 Jahre nach der geplanten Erstsendung.
Polizeiruf 110: Rosis Mann (1984) — gedreht von März bis April 1984 in Ost-Berlin und Magdeburg. Kurz vor der geplanten Ausstrahlung im Herbst 1984 setzte sich Hauptdarsteller Hans-Edgar Stecher in den Westen ab, zwei weitere Mitglieder des Drehteams folgten. Die DDR-Führung ordnete die Vernichtung des Films an. Rosis Mann gilt bis heute als verloren.
Beide Vernichtungsanordnungen folgen demselben Muster: Nicht der Inhalt galt als zu gefährlich — sondern die Person des Darstellers oder das politisch untragbare Sujet. Die Folgen verschwanden nicht wegen schlechter Arbeit, sondern wegen des Systems, das sie produziert hatte.
Daneben existieren weitere Produktionen, die als Polizeiruf konzipiert waren, aber als eigenständige Fernsehfilme ohne Folgennummer ausgestrahlt wurden: Gelb ist nicht nur die Farbe der Sonne (1979), Herbstzeit (1979) und Klassenkameraden (1984). Diese Grauzone zwischen Reihe und Einzelfilm war für den DFF keine Ausnahme, sondern gängige Praxis.
Den historischen und politischen Kontext dieser Fälle beleuchtet ausführlich der Artikel zu Verbotenen DEFA-Filmen — dort auch mit Hintergründen zur DEFA-Zensurpraxis der 1960er bis 1980er Jahre.
Folge 1: Der Fall Lisa Murnau (1971) — die Geburtsstunde
Die erste Folge lief am Sonntag, dem 27. Juni 1971, im 1. Programm des Deutschen Fernsehfunks. Regie: Günter Reisch. Titel: Der Fall Lisa Murnau. Laufzeit: ca. 60 Minuten.
Peter Borgelt spielt Oberleutnant Peter Fuchs, Ruth Kommerell übernimmt die Rolle der Kriminaltechnikerin Vera Arndt. Der Fall dreht sich um eine Frau namens Lisa Murnau — die Handlung ist im heutigen Zustand eingeschränkt nachvollziehbar, weil die DDR-Archivlage der frühen Folgen lückenhaft ist.
Was diese erste Episode konzeptionell signalisierte: Der Polizeiruf 110 war als DDR-Gegenstück zum westdeutschen Tatort konzipiert, der im November 1970 gestartet war. Wo Tatort auf individuelle Kommissare mit Charakterprofil setzte, betonte der DFF das Kollektiv. Wo Tatort regionalen Lokalkolorit pflegte — Hamburg, München, Frankfurt — vermied der Polizeiruf bewusst erkennbare Orte. Das änderte sich erst allmählich im Laufe der 1980er Jahre.
Hinweis zur Titelverwirrung: In einigen älteren Quellen taucht als erste Folge der Titel Der Fall Reinhardt auf. Dieser Titel ist nicht korrekt — es handelt sich um eine Verwechslung oder einen nicht realisierten Alternativtitel aus der Produktionsphase. Die korrekte Bezeichnung laut DFF-Senderegistern und dem Standardwerk von Peter Hoff ist Der Fall Lisa Murnau. Erstausstrahlung: 27. Juni 1971.
Legendäre DDR-Folgen und ihre Themen
Nicht jede Folge des Polizeiruf 110 ist gleich. Einige Episoden stechen heraus — wegen ihrer dramaturgischen Qualität, ihrer Thematik oder weil sie eine Grenze testeten, die das DDR-Fernsehen sonst mied.
Folge 52: Bonnys Blues (1978)
Regie: Peter Vogel. Ermittler: Hübner, Woltersdorf. Erstausstrahlung 26. März 1978. Die Episode markiert einen Stilwechsel. Während die frühen Folgen auf das Ermittlungsverfahren fokussierten, öffnet Bonnys Blues die Kamera für das Milieu: eine Jugenddisko, ein Teenager zwischen sozialer Beschleunigung und DDR-Alltag. Filmkritik und Fachliteratur sind sich einig, dass hier eine zweite Phase des Formats begann: mehr Charakterpsychologie, weniger Mechanismus.
Folge 75: Trüffeljagd (1981)
Regie: Helmut Krätzig. Erstausstrahlung 25. Oktober 1981. Ein seltener Fall: Alle vier Ermittler Fuchs, Arndt, Hübner und Bergmann treten gemeinsam auf. Der Fall dreht sich um Wirtschaftsdelikte im Lebensmittelbereich — Themen, die im sozialistischen Fernsehen als heikel galten, weil sie Mangelwirtschaft indizierten. Dass der Film produziert und gesendet wurde, sagt etwas über den Spielraum, den das Format in den frühen 1980ern hatte.
Folge 83: Die Spur des 13. Apostels (1983)
Regie: Erwin Stranka. Ermittler: Fuchs, Arndt. Erstausstrahlung 6. März 1983. Der Titel verweist auf religiöse Symbolik — für das atheistische DDR-Fernsehen ungewöhnlich. Die Handlung nutzt das Motiv, um Fragen von Täuschung und doppelter Identität zu entfalten. Eine der wenigen Folgen mit dezidiert psychologischer Struktur.
Folge 90/91: Schwere Jahre (1984)
Der einzige Zweiteiler der DDR-Ära — Teile 1 und 2 liefen am 29. und 1. Juli 1984 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Ermittler: Reichenbach, Hübner. Regie: Helmut Krätzig. Das Folgenformat sprengende Länge signalisierte einen Anspruch, der im Polizeiruf sonst nicht üblich war.
Folge 116: Abschiedslied für Linda (1987)
Erstausstrahlung 20. Dezember 1987. Erste Folge, in der Fuchs, Hübner, Zimmermann und Grawe gleichzeitig ermitteln — das komplette Ensemble der mittleren 1980er. Ein Fall mit mehreren Verdächtigen und einem für das Format ungewöhnlich komplexen Motivgeflecht.
Folge 120: Amoklauf (1988)
Erstausstrahlung 26. Juni 1988. Peter Fuchs allein. Die Episode behandelt psychische Ausnahmezustände — für ein DDR-Kriminalformat ein thematisches Grenzgebiet, weil psychische Erkrankungen im staatlichen Diskurs als Randphänomen galten. Keine sensationalistische Darstellung, sondern eine sachliche Milieustudie.
Folge 133: Katharina (1989)
Erstausstrahlung 27. Oktober 1989 — achtzehn Tage vor dem Fall der Berliner Mauer. Ermittler: Hübner, Grawe. Inhaltlich ein regulärer Kriminalfall. Historisch ein Zeitdokument: Das DDR-Fernsehen sendete, als draußen auf den Straßen die Demonstrationen liefen. Katharina ist das Ende einer Ära — nicht dramaturgisch, aber historisch.
Folge 153: Thanners neuer Job (1991)
Erstausstrahlung 22. Dezember 1991. Die letzte DFF-Folge. Fuchs und Grawe ermitteln. Der Titel verweist auf eine Figur, die sich in der Nachwendegesellschaft neu positionieren muss — ein thematisches Echo auf das Ende des Formats selbst. Mit dieser Folge endete nach 20 Jahren die Polizeiruf-110-Produktion im alten DFF-Rahmen.
Die Wendejahre 1990–1991 im Überblick
Die letzten zwei Jahre des DFF-Polizeiruf 110 sind ein eigenes Kapitel. 20 Folgen entstanden zwischen Januar 1990 und Dezember 1991 — in einer DDR, die aufhörte zu existieren, und einem Sendegebiet, das sich auflöste. Die Episoden dieser Phase tragen unterschiedliche Handschriften: Einige greifen die neue Realität auf, andere wirken wie Produktionen aus einem anderen Zeitraum.
Folge 134 (Der Tod des Pelikan, 1. Januar 1990) — Grawe allein, kein Fuchs. Folge 135 (Zahltag, 28. Januar 1990) — Fuchs und Grawe wieder gemeinsam. Folge 140 (Ball der einsamen Herzen, 2. September 1990) — bereits im wiedervereinigten Deutschland ausgestrahlt, produziert unter DFF-Bedingungen. Folge 153 (Thanners neuer Job, 22. Dezember 1991) — die letzte.
Peter Borgelt als Fuchs spielte bis zum Ende. Andreas Schmidt-Schaller als Grawe ebenfalls. Jürgen Frohriep als Hübner trat in Folge 150 (Todesfall im Park, 28. August 1991) letztmals auf.
Produktions- und Archivhinweise
Wer mit dem Folgenverzeichnis arbeitet, stößt schnell auf ein praktisches Problem: Die verfügbaren Quellen variieren in der Nummerierung. Peter Hoffs Standardwerk Polizeiruf 110 — Filme, Fälle, Fakten ist die meistzitierte Referenz. Abweichungen entstehen, weil mehrere Produktionen im Grenzbereich zwischen Reihe und Einzelfilm lagen.
Konkret: Drei Produktionen wurden als Polizeiruf-Episoden entwickelt, aber ohne Folgennummer als eigenständige Fernsehfilme gesendet — Gelb ist nicht nur die Farbe der Sonne (1979), Herbstzeit (1979) und Klassenkameraden (1984). Ob man sie zur Reihe zählt oder nicht, beeinflusst die Gesamtzahl. Die Standardzahl 153 bezieht sich auf die nummerierten DFF-Folgen.
Zur Archivlage: Die DEFA-Stiftung und das Deutsche Rundfunkarchiv verwahren die erhaltenen Folgen. Der Icestorm-Verlag hat seit den 1990ern einen Großteil der DDR-Ära auf DVD veröffentlicht — die Box-Reihe DDR TV-Archiv umfasst alle erhaltenen und freigegebenen Episoden. Einzelne Folgen der frühen Phase (1971–1975) sind nur fragmentarisch erhalten oder verschollen.
Ein weiterer Orientierungspunkt für die Fachbegriffe dieses Folgenverzeichnisses: Der DFF (Deutscher Fernsehfunk, ab 1990 Fernsehen der DDR, ab 1991 kurzzeitig ORB-Vorläufer) produzierte alle 153 Folgen der DDR-Ära. Das 1. Programm des DFF war der Ausstrahlungskanal. Der Begriff Erstsendung bezeichnet im Kontext des Folgenverzeichnisses das Datum der Erstausstrahlung im DFF — nicht spätere Wiederholungen oder Aufführungen in der BRD.
Die Rundfunkarchive Babelsberg und das Deutsche Rundfunkarchiv Frankfurt haben in den 2000er-Jahren systematisch den Bestand gesichert und teilweise digitalisiert. Für die Forschung ist das Rundfunkarchiv Babelsberg die primäre Anlaufstelle. Öffentlich zugänglich ist ein Großteil des Materials über die bereits genannten DVD-Veröffentlichungen.
Nach 1990: Wie geht die Liste weiter?
Der Deutsche Fernsehfunk wurde 1991 abgewickelt. Das Format überlebte. Ab 1992 produzierten ARD-Landesrundfunkanstalten den Polizeiruf 110 weiter — zunächst der Bayerische Rundfunk, später MDR, RBB und weitere. Die Post-DFF-Folgen teilen den Namen und die Grundstruktur mit der DDR-Ära, sind aber anders produziert, anders regionalisiert und folgen anderen dramaturgischen Regeln.
Was vom DDR-Format überblieb, welche Ermittler weitermachten, wie sich das Format im wiedervereinigten Deutschland transformierte — das ist vollständig dokumentiert in Polizeiruf 110: Der komplette Guide.
Zahlen zum Abschluss: 153 DFF-Folgen zwischen 1971 und 1991. 20 Jahre Sendedauer. Peter Borgelt als Fuchs in 89 Folgen. Zwei vernichtete Episoden. Mindestens drei Produktionen ohne Folgennummer. Das ist der Rahmen dieses Verzeichnisses.